A continuing short story for German practice

Dear Martin,

Do You think that other readers might wonder, if you are a person of the same reality as they live in? Shall I tell them, that you exist and that you indeed are a handsome postdoc, who actually flew to a conference in Thessaloniki? And now there is this other character, a crime story writing Austrian girl, who would like to be able to speak Czech… Do you think, they will get suspicious? Do you think, they will uncover my shameless self-insertion? And will our life be changed through the fact, that we now also exist as fictitious versions of ourself? And is it clever to self-insert oneself in the dangerous world of a crime story? … Oh, what a lovely adventure this could turn out to be! You did not expect me, to let you have all the fun alone, right? ;-)…

Your adventurous Muse in training

(Explanations for some of the vocabulary can be found at the end of the text as usual.)

Mord in Thessaloniki IV

Es war allerhöchste Zeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Wieder zurück im Hotel in Thessaloniki, zückte Martin sein Handy und schrieb: „Gestern ist ein Mann in meinen Armen gestorben. Er wurde vergiftet. Mord! Heute wäre beinahe ein Mädchen in meinen Armen gestorben. Sie hat es überlebt und ist im Krankenhaus. Vergiftet. Ich muss meine Gedanken sortieren. Was soll ich tun?“ Senden. Martin seufzte. Und schon vernahm er das helle Ding! des Messengers. „Ist dir das wirklich passiert oder schreibst du für mich einen Krimi? Ich habe so etwas mal für eine Freundin gemacht, als ich auf Urlaub war (das war sehr lustig).“

„Das ist wirklich passiert.“

Ding! Ding! Ding!

„Nein, echt jetzt? Wer ist gestorben? Kanntest du ihn?“ „Weiß man schon, wer dahintersteckt? Hast du einen Verdacht?“ „Das ist ja voll arg. Wer ist das Mädchen? Geht es ihr gut? Und wie geht es dir?“

„Es geht mir gut“, tippte Martin. „Von dem Mädchen weiß ich nicht viel. Es ist nicht leicht, hier Informationen zu bekommen.“

„Wie kann ich dir helfen?“, schrieb Sibylle schließlich zurück und Martin überlegte. Sibylle war Österreicherin und Martins Sprachaustausch-Partnerin. Sie übte mit ihm Deutsch und er versuchte, sie zum Tschechisch Lernen zu ermuntern. Sibylle war außerdem Krimi-Autorin. Schon als der Italiener neben ihm zusammengefallen war, hatte er an sie gedacht. Diese ganzen seltsamen Vorgänge hier waren doch genau das, wovon sie immer sprach. Aber konnte ihr Enthusiasmus für Kriminalfälle auch in der Realität bestehen?

„Sollen wir den Fall gemeinsam durchgehen?“, schrieb sie nun. Das war doch gar keine schlechte Idee, fand Martin. Was nun folgte, war ein Verhör, wie er es sich von der griechischen Polizei gewünscht hätte. Sie begannen bei dem Zusammenbruch des Opfers und arbeiteten rückwärts.

„Hat er sich etwas eingeschenkt, bevor er getrunken hat?“

„Ja, aber ich glaube, er hatte noch etwas in seinem Glas. Er hat sich nur nachgeschenkt.“

„War er schon bei den Getränken oder kam er nach dir?“

„Nach mir“, erinnerte sich Martin.

„Und was hat er zu dir gesagt?“

„Er fragte mich, ob ich zufällig Mitglied bei Mensa wäre.“

Sibylle schickte ein erstauntes Emoji. „Einfach so? Das ist aber eine sehr persönliche Frage…“, schrieb sie.

„Er war sehr freundlich. Ich glaube nicht, dass er mich beleidigen wollte…“ Und er fügte noch ein lachendes Emoji mit einem Tropfen auf der Stirn hinzu. Die Erwähnung des Vereins für Hochbegabte mit dem verwirrend an Kantinen-Essen erinnernden Namen Mensa brachte Sibylles Gefühle stets in Wallung. Meistens begann sie dann unzusammenhängende Geschichten vor sich hinzumurmeln, sich zu verteidigen, obwohl niemand sie angegriffen hatte, und über Sheldon Cooper und Sherlock Holmes zu philosophieren. Er konnte sehen, dass sie etwas in die Messenger-App tippte, aber es dauerte sehr lange, bis sie tatsächlich eine Antwort schickte. Und die lautete dann schlicht: „Und was war deine Antwort?“

„Ich verneinte das und wandte mich zum Gehen. Ich machte eine Handbewegung und blickte zum Tisch, um ihm zu deuten, dass wir zum Tisch zurückgehen können. Dann nahm er den Schluck.“

„Glaubst du, wollte er dir eine Geschichte über Mensa erzählen?“

„Ja, das habe ich angenommen. Meinst du, deshalb musste er sterben?“ Zwinker-Emoji.

„Man kann nie wissen, wie weit jemand gehen würde, um vor der Öffentlichkeit zu verbergen, dass er mal Mitglied bei Mensa war…“ Es kam noch ein Zwinker-Emoji mit rausgestreckter Zunge hinterher und Martin schüttelte amüsiert den Kopf. Dann begann er aufzuzählen, mit wem er vor diesem Ereignis am Tisch gesessen hatte. Immerhin hatte auch das Mordopfer an diesem Tisch gesessen und Martin hatte sich mit Antonio, wie der arme Kerl hieß, einige Zeit lang unterhalten. Auch Sibylle war klar, dass es eine große Wahrscheinlichkeit gab, dass Martin nichts beobachtet hatte, was zur Aufklärung des Falls beitragen konnte. Trotzdem war es keine schlechte Sache, das Gedächtnis derart in Schwung zu bringen. Die Gespräche des Vorabends begannen, sich vor seinem inneren Auge wieder auszubreiten…

Fortsetzung folgt…

  • arg: umgangssprachlich für heftig; it means that something is unusually strong, severe or shocking; a very practical word for German speakers in Austria (maybe also in other countries, but it sounds very Austrian for my Viennese ears)
  • ermuntern: to encourage
  • der Kriminalfall: criminal case
  • einschenken: to pour a glass
  • nachschenken: there is still something in your glass, but you pour in some more – du schenkst dir nach
  • schlicht: simple
  • lachendes Emoji mit einem Tropfen auf der Stirn: 😅
  • Zwinker-Emoji: 😉
  • Zwinker-Emoji mit rausgestreckter Zunge: 😜

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